Höherwertige Druckerzeugnisse, mögliches Geschäftsmodell

Aus strategischen Gründen betreiben wir die Aufbereitung unserer erarbeiteten Materialen für manche Distributionskanäle offiziell im Rahmen des Projekts.

Höherwertige Druckerzeugnisse, mögliches Geschäftsmodell

Beitragvon skreutzer » 2013-11-16T19:35:13+00:00

Mittlerweile wurden erste Experimente im Hinblick auf eine höherwertige Ausstattung von Print-Exemplare unternommen, insbesondere mit dem Druckdienstleister Books on Demand wurden erste Ergebnisse erzielt. Darum folgt hier nun eine Schilderung der Situation, damit der größtmögliche Nutzen aus den gewonnenen Erkenntnissen gezogen werden kann.


„Books on Demand“ habe ich mir in erster Linie deshalb näher angeschaut, da dieses Unternehmen ein „Print-on-Demand“-Verfahren zugrundelegt. Dieses Verfahren erspart im Gegensatz zu herkömmlichen Druckaufträgen die Notwendigkeit der Vorfinanzierung, da schon ab der Stückzahl von einem Exemplar gedruckt werden kann. Möglich ist dies, indem eine vollautomatische Druckmaschine bereits vorbereitete PDFs unter Anwendung von standardisierten Voreinstellungen entgegennimmt und auf Knopfdruck alle erforderlichen Schritte vom Druck über den Einband bis zur Klebung/Bindung selbstständig übernimmt. Freilich sind die Kosten für wenige oder einzelne Exemplare höher, als wenn man Bücher in Menge abnehmen würde, aber gerade für Buchprojekte, wo eine Vorfinanzierung nicht geleistet werden kann oder für den eigenen, privaten Bedarf werden damit ganz neue Möglichkeiten eröffnet.


„Books on Demand“ bietet hierbei zwei Konzepte an: das eine heißt „BoD Fun“, wo die Hinterlegung und Bereithaltung der Druckvorlagen kostenlos ist. Man kann in dieser Variante für sich selbst Bücher bestellen, d.h. drucken lassen, wobei lediglich die Kosten für den reinen Druckvorgang anfallen, welche sich nach der Ausstattung richten. Wenn man größere Mengen abnimmt, gibt es natürlich Rabatte, aber wie gesagt wird schon ab einem einzelnen Exemplar geliefert.


Das zweite Konzept heißt „BoD Classic“, wo man zu Beginn und dann für jedes Jahr 19 Euro bezahlt, solange man dieses Angebot weiter nutzen will. Im Gegensatz zum „BoD Fun“ erhält das Buch eine ISBN und wird in alle größeren Online-Buchshops eingetragen, wo Kunden das Buch dann bestellen können. Bestellt ein Kunde ein Exemplar, geht der Auftrag an BoD, wo der Titel gedruckt und anschließend an den Kunden versandt wird. Für jeden Buchkauf erhält man eine Gewinnmarge, die man in Form des Preises über die Kosten, die seitens BoD anfallen, festgelegt hat.


Beide Konzepte erlauben zu gar keinen oder nur zu geringfügigen Kosten die Realisierung von Buchprojekten. Bei „BoD Fun“ muss man sich um den Vertrieb selbst kümmern, sofern man nicht nur für den persönlichen Eigenbedarf drucken lässt, während bei „BoD Classic“ zu niedrigen Kosten selbst der Vertrieb noch übernommen wird, und das alles gänzlich ohne Vorfinanzierung.


Ich habe bisher für unser Projekt testweise sowohl eine Bibelbuch-Version in einem Hochglanz-Heftumschlag als auch eine gebundene Hardcover-Version über mehrere Bibelbücher erstellt, wofür „BoD Fun“ zum Einsatz gekommen ist. Diese Ergebnisse können über den Versand von Druckerzeugnissen bestellt werden. Da der Versand von Druckerzeugnissen grundsätzlich kostenlos ist, bedeutet jede Bestellung dort für mich natürlich einen höheren finanziellen Verlust als bei den Druckerzeugnissen, die ich selbst drucke. Dennoch soll dieses Angebot aufrecht erhalten werden, um einerseits Werbung für das Projekt zu machen, und andererseits denjenigen Leuten, die am Projekt mitarbeiten oder in dessen Umfeld tätig sind, ohne irgendwelche zusätzlichen Kosten die aufbereiteten Materialien auch in höherer Qualität für deren Tätigkeit bereitstellen zu können. Auch soll im Sinne der Freien Software demonstriert werden, dass der Erhalt der Materialien nicht an ein kommerzielles Geschäftsmodell gekoppelt sein muss - zwar wäre die Deckung der Selbstkosten durchaus gerechtfertigt, es besteht aber im Gegensatz zur herkömmlichen Herangehensweise von Verlagen etwa keinerlei Notwendigkeit zur künstlichen Verknappung der Materialien aus reinem Protektionismus, um auf diese Weise die Einnahmen zu erpressen, welche wiederum notwendig sind, um einen großen Verlagsapparat aufrecht zu erhalten, vielmehr ist jedermann so wie auch ich in die Lage versetzt, ein paar Exemplare zu verschenken, wie es eben der Geldbeutel momentan zulässt. Sollten allzu viele Bestellungen eingehen, könnte es aber sein, dass ich pro Monat ein Kontingent von Exemplaren auf der Seite kostenlos anbiete, und sobald diese aufgebraucht sind, muss bis zum nächsten Monat gewartet werden, bis die einzelnen Posten wieder verfügbar werden. Alternativ könnte auch eine Warteliste entstehen. Möglicherweise will sich aber auch jemand am Versand von Druckerzeugnissen beteiligen, und zwar nicht in erster Linie, indem ich hierfür Spenden entgegennehme, sondern aufgrund der nun nachfolgend beschriebenen Möglichkeiten.


Heutzutage ist die Technologie derart weit fortgeschritten, dass außer künstlich zum Zweck des Protektionismus hervorgerufenen Hindernissen eigentlich von technischer Seite keine unlösbaren Probleme mehr bestehen, um von einem historischen Bibel-Exemplar (unter Aufwendung von etwas Zeit und Anstrengung natürlich) zum modernen hochwertigen Nachdruck zu gelangen. Stattdessen werden aber unüberwindbare rechtliche Hürden aufgebaut, die sich seit jeher äußerst kontraproduktiv auf den Fortschritt im Bereich der digitalen Werke auswirken. So sind wir z.B. mit unserem Projekt auf gemeinfreie Bibeltexte beschränkt, welche dann natürlich alle älteren Datums sind, da Bibelübersetzer ihre Rechte an ihrer Übersetzung leichtfertig exklusiv an Verlage abgetreten haben, welche die Bereitstellung des Textes nur unter restriktiver Rechtepolitik betreiben. Wenn aber im Rahmen unseres Projekts gemeinfreie Bibeltexte digitalisiert werden oder initial eine Neuübersetzung unter freier Lizenz uns digital zur Verfügung gestellt wird, sind diese Texte für jedermann frei verwendbar. Wir betätigen uns dann naturgemäß auch gleich mit der Reproduktion/Aufbereitung des Textes, sodass er in vielfältigen Formaten, Nutzungsvarianten und physischen Formen zugänglich gemacht wird. Wenn diese Aufbereitungen/Reproduktionen die für den urheberrechtlichen Schutz notwendige Schaffenshöhe erreichen, stellen wir selbige unter freier Lizenz zur Verfügung oder behaupten auch vorsorglich eine freie Lizenzierung, selbst wenn hinterher die Schaffenshöhe als nicht erreicht festgestellt werden sollte. Ein solches Vorgehen hat zur Folge, dass aufgrund der kompletten und durchgängigen freien Lizenzierung (auch der verwendeten Werkzeuge, um die Reproduktionen/Aufbereitungen zu erstellen) jedermann in die technische und rechtliche Lage versetzt ist, jeden einzelnen Schritt selbst nachzuvollziehen und eine eigenständige Bereitstellung der Materialien vorzunehmen.


Im Zusammenhang mit „Books on Demand“ bedeutet das, dass jeder die von uns bereitgestellten PDFs nehmen kann (obacht, womöglich fehlt der vorsorgliche Lizenzhinweis!), um auf dieser Grundlage ein eigenes Buchprojekt und eine eigene Veröffentlichung vorzunehmen. Bei „BoD Fun“ kann ohne weiteres für den persönlichen Bedarf die Herstellung von höherwertigen Ausgaben unter Berücksichtigung von Ausstattungsmerkmalen nach eigenen Wünschen beauftragt werden. Bestellte Exemplare können aber auch verschenkt oder verkauft werden. Der Verkauf ist allerdings mit „BoD Classic“ ebenfalls möglich, womit dann gleich auch alle größeren Online-Buchshops abgedeckt wären.


Obwohl die freie Lizenzierung und die Gemeinfreiheit im Prinzip jedermann die kommerzielle Nutzung der Materialien gestattet, sind aber dennoch einige rechtliche Bestimmungen zu Berücksichtigen. So ist es in Deutschland z.B. nicht erlaubt, zum Zweck der Gewinnerzielung zu Verkaufen, ohne ein Gewerbe angemeldet zu haben. Diese Regelung richtet sich nicht an dem Betrag, der eingenommen wird, sondern trifft auch schon ab dem ersten Euro zu, der eingenommen wurde, aber auch selbst dann, wenn ungewollt Verluste erwirtschaftet werden, grundsätzlich aber eine Gewinnerzielungsabsicht vorhanden ist. Die einzigste Ausnahme besteht darin, wenn man nachweislich (?) über einen längeren Zeitraum den regelmäßigen, geschäftsmäßigen Verkauf von Waren aufrecht erhält, während stets damit nur Verluste eingefahren werden, und man also in Abwesenheit einer Gewinnerzielungsabsicht ohne Aussicht auf Gewinn oder ohne Gegenmaßnahmen den Verkauf weiter fortsetzt, da in diesem Fall ein Gericht ein Verlustgeschäft zum Zwecke der Liebhaberei, welche nicht gewerbepflichtig ist, als gegeben feststellen kann. Wenn man aber die Deckung der Selbstkosten anstrebt, könnte es nach meiner Einschätzung schon kritisch werden mit dem Nachweis, dass keine Gewinnerzielungsabsicht vorliegt. Auch scheint es einen Unterschied zu geben zwischen gewerbsmäßigem und geschäftsmäßigem Handeln, denn auch ein Verkauf zwecks Verlustgeschäft mit der Motivation der Liebhaberei könnte als geschäftsmäßige Aktivität aufgefasst werden, wozu evtl. doch einige Regelungen gelten, die sich aber bisher meiner Kenntnis entziehen. Von daher kommt für den Privatmenschen ohne angemeldetem Gewerbe höchstens ein Verlustgeschäft in Frage, auch wird von vielen Online-Buchshops bereits für die Anmeldung und vor der Eintragung eines Angebots eine Umsatzsteuer-Identifikationsnummer verlangt.


Anders sieht es schon aus für Personen mit angemeldetem Gewerbe. Solche Leute könnten unsere Materialien im Rahmen eines Verlustgeschäfts, zur Deckung der Selbstkosten oder auch mit Gewinn verkaufen. Daneben besteht freilich immer die Möglichkeit, die Druckerzeugnisse zu verschenken. Keine Nutzungsvariante stellt ein ethisches Problem dar, da selbst bei kommerzieller Nutzung zwecks Gewinnerzielung die rechtliche und technische Freiheit auch zum Kunden gelangt, ohne dass zur Erpressung von Einnahmen künstliche Einschränkungen auferlegt werden (in der Praxis führt das dazu, dass ein freier Markt entsteht und man tatsächlich für die Selbstkosten und Zusatzleistungen bezahlt, anstatt Schutzgeld/Erpressungsgeld ohne äquivalente Gegenleistung abzutreten). Auf diese Weise ist kommerzielle Nutzung sogar wünschenswert, da diese zur Verbreitung des Materials über die kommerziellen Distributionskanäle beiträgt, die sonst versperrt bleiben würden. Gleichzeitig wird derjenige, der die kommerzielle Nutzung vornimmt, durch den Gewinn motiviert, den er durch das frei lizenzierte Werk erwirtschaften kann. Dabei fallen kaum eigene Kosten an (wobei trotzdem stets eine Mitarbeit an unserem Projekt erwünscht ist und konsequenterweise auch zu einem größeren Angebot für den kommerziellen Nutzer führen würde). Zuletzt profitiert auch der Kunde, indem er ein reichhaltigeres, vielfältigeres Angebot vorfindet, und das auch auf kommerziellen Vertriebskanälen, wodurch die freien Materialien besser aufgefunden werden können und einem größeren Personenkreis zugänglich gemacht werden.


Diese Optionen stehen also ohne irgend einen nennenswerten Aufwand zur Auswahl, wenn einfach unser bereits aufbereitetes Material genutzt werden soll. Darüber hinaus besteht aber auch eine Fülle von vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten, indem ja auch schließlich die Druckvorlage selbst, das PDF, mit frei lizenzierten Werkzeugen und dem gemeinfreien Bibeltext, generiert wurde. Deshalb ist es möglich, entweder völlig eigenständig oder mit unserer Hilfe eigene Druckvorlagen nach ganz individuellen Vorstellungen zu erzeugen, während man auch über die physische Ausstattung volle Kontrolle behält. Hier soll jetzt kein umfangreicher Überblick gegeben werden, was alles mit und um den Bibeltext herum realisiert werden könnte - unsere Projektbeschreibung gibt einen kleinen Eindruck davon, der mit der Zeit noch weiter ausgebaut werden soll, letztendlich gibt es aber dank der Technologie beinahe nichts, was es nicht geben könnte.


Es muss allerdings auch noch berücksichtigt werden, dass neue Bücher in Deutschland der Buchpreisbindung unterliegen. 18 Monate lang ab der Veröffentlichung muss der Herausgeber einen einheitlichen Preis für das Buch festlegen, zu welchem ausschließlich er selbst als auch alle Verlage, die sein Buch vertreiben, das Buch verkaufen dürfen. Der Preis kann im Laufe der 18 Monate vom Herausgeber auch geändert werden, jedoch gilt eine solche Änderung stets für alle, die das Buch verkaufen. Daher wird für die Materialien, sofern ein Preis nach belieben festgelegt werden soll, die Anforderung bestehen, eine eigene Version der Materialien anzulegen, indem z.B. das Cover und das Vorwort, vielleicht auch Ausstattung, Beigaben etc. geändert werden, um eine Unterscheidung zu unseren Materialien in Standard-Ausführung vorzunehmen, die wir selbst auch kommerziell im Rahmen eines Verlustgeschäftes zwecks Liebhaberei tatsächlich oder möglicherweise vertreiben, um die Materialien der Öffentlichkeit verfügbar zu machen. Bei Interesse würden wir aber auch unsere Aktivitäten in diese Richtung einstellen, sofern sich jemand fände, der verlässlich und vernünftig den kommerziellen Vertrieb übernehmen würde, sodass die Verfügbarkeit der Materialien in den kommerziellen Vertriebskanälen sichergestellt ist. Womöglich findet sich aber auch ein regulärer Verlag, welcher bereit wäre, zu nicht-exklusiven Konditionen unsere Materialien ins Programm aufzunehmen.


Der Weg nach Amazon und zu anderen Online-Buchshops bleibt weiterhin versperrt, weil oftmals eine Umsatzsteuer-Identifikationsnummer oder ein exklusiver Vertrag für das Einstellen eines Angebots Voraussetzung ist. Den Vertrieb von E-Books über Amazon lehnen wir grundsätzlich ab, da dort das proprietäre Mobi-Format zum Einsatz kommt.


Falls also jemand Ideen, Vorschläge, Anregungen, Ergänzungen, Korrekturen und/oder Kritik anbringen möchte, bitte jederzeit gerne einfach anbringen. Wie oben vielleicht schon herauszulesen ist, gehört der Vertrieb sowie die kommerzielle Bereitstellung nicht zu unseren Kernkompetenzen, außerdem ergibt sich für uns als Projekt im Geiste und in der Praxis der Freien Software keine Notwendigkeit zur Gewinnerzielung (obwohl eine finanzielle Förderung des Projektes viel zu dessen Fortschritt beitragen könnte). Insofern stellt dieser Abriss eher ein Angebot dar, von dessen Wahrnehmung alle Beteiligten als auch die allgemeine Öffentlichkeit nur profitieren können. Ich persönlich habe kein Interesse daran, die kommerziellen Vertriebskanäle zu bedienen, solange dies aber niemand anders übernimmt, werde ich mich in dieser Richtung wohl weiterhin experimentell betätigen müssen.
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Re: Höherwertige Druckerzeugnisse, mögliches Geschäftsmodell

Beitragvon skreutzer » 2013-11-19T15:12:04+00:00

Nach meinen letzten Recherchen genügt wohl leider ein Verlustgeschäft zum Zwecke der Liebhaberei nicht, um um die Steuererklärung herumzukommen. Denn auch wenn keine gewerbliche Tätigkeit vorliegt, welche das Abführen der Einkommenssteuer erfordert, so kann doch bei regelmäßigem Verkauf die Umsatzsteuer fällig werden. Während die Einkommenssteuer auf Basis des erzielten Gewinns ermittelt wird (wozu eben Gewinnerzielungsabsicht und tatsächlicher Gewinn Voraussetzungen sind), wird die Umsatzsteuer auf Basis aller Einkünfte, auch wenn diese unterm Strich einen Verlust aufweisen sollten, ermittelt. Von daher ist es nicht möglich, trotz Verlustgeschäft immerhin einen Teil der Selbstkosten zu decken, womit im Prinzip nichts anderes übrig bleibt, als die Artikel zu verschenken und die Kosten vollständig selbst zu tragen.
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